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Burg Altena - Spuren des Mittelalters

Der Grundriss der Burg Altena und die Geländeform, der er angepasst ist, bedingen sich in einer Weise, dass man leicht zu der Auffassung gelangen kann, diese in einer Länge von fast 200 m sich über den ganzen Bergsporn der Wulfsegge erstreckende Anlage sei wie andere mittelalterliche Dynastenburgen, z.B. die von ihrem Ursprung her verwandte Isenburg bei Hattingen, als Leistung einer Bauhütte und eines Heeres dienstverpflichteter Untertanen in einem Zuge entstanden. Nach den aus der schriftlichen Überlieferung zu gewinnenden Erkenntnissen und den unterschiedlichen Bauformen ist jedoch eine sich in Jahrhunderten darstellende, wenn auch in ihren einzelnen Entwicklungsphasen nicht genau durchschaubare Baugeschichte unzweifelhaft.

Nach dem letzten Forschungsstand ist die Burg Altena im Anfangsstadium ihrer Geschichtlichkeit nicht, wie es bis dahin vorherrschende Meinung war, arnsbergisch gewesen und ihre Unterstellung unter die Lehnsherrschaft des Kölner Metropoliten wurde nicht unter Eberhard, dem ersten Grafen von Altena, sondern erst unter seinen Söhnen (an) Philipp von Heinsberg vollzogen. Folgerichtig ist zu schließen, dass die Burg vor der Teilung nach dem Tode Adolfs von Berg, in der der jüngere Sohn Engelbert die Grafschaft Berg (und) Eberhard die Herrschaft Altena erhielt, bergischer Besitz war und, wenn wir die umstrittene Cappenberger Gründungsurkunde von 1122 mit der Zeugenschaft eines Grafen von Altena unberücksichtigt lassen, mit der Grafschaft Berg ein komplexes, von Altenberg, seit 1133 von Burg an der Wupper aus regiertes Gebilde darstellte. Baugeschichte und Schicksal des Schlosses Burg an der Wupper sind im übrigen der Burg Altena sehr vergleichbar.

Vorgeschobene Stellungen pflegten die Mächtigen jener Zeit mit Türmen als weithin sichtbare Hoheitszeichen zu markieren. In dieser Weise dürfte schon zu Beginn des 12. Jh. auf der höchsten Klippe der Wulfsegge der erhaltene Bergfried, der sogen. Dicke Turm, ein Wehr- und Wohnturm, mit dem nötigsten Zubehör errichtet worden sein. Von Steinen teilt aus einer verloren gegangenen Quelle das Jahr 1108 als Gründungsdatum mit. Urnenfunde lassen eine wahrscheinlich singuläre eisenzeitliche Besiedlung der späteren Burgstelle vermuten.

Da Bauakten fehlen und von den romanischen Bauten außer dem Bergfried, Teilen der Ringmauer und der Unterburg nur Reste, u.a. im Kellergeschoss des Nordtraktes des Alten Palas, erhalten sind, ist man bei der Darstellung der älteren Baugeschichte auf Vermutungen und Hypothesen angewiesen, zu denen die Genealogie der Grafen von Altena und von der Mark die Indizien liefert. So dürfte vor oder nach dem Einzug des jungen bergischen Grafen Eberhard, der sich fortan Graf von Altena nennt, der Ausbau zur Hofburg erfolgt sein, mit weiteren Wehranlagen, Wirtschaftsgebäuden und Unterkünften für die Burgmannschaft, einem Palas als Wohn- und Repräsentationshaus der Grafenfamilie und einer Kapelle, die in den älteren Burgen oft mit dem Palas verbunden war. Zur Installierung gehörte sicher ein Brunnen.

Die nächste Erweiterung des Burggrundrisses sollte im Zusammenhang mit der Teilung der Grafschaft nach dem Tode des Grafen Eberhard im Jahre 1174 anzunehmen sein. Haupterben waren der älteste Sohn Arnold, mit Mechthild von Kleve Begründer der Linie Altena-Isenberg, und der jüngste Sohn Friedrich, der die Altenaer Hauptlinie fortsetzte. Da Graf Arnold bis zur Vollendung der Isenburg (1199) mit seiner Familie auf der Burg Altena wohnte – drei seiner Söhne wurden hier geboren -, bedurfte es einer Vermehrung der für die doppelte Hofhaltung erforderlichen Gebäude durch einen zweiten Palas und neue Wirtschaftsgebäude. Die Burg wurde eine Granerbenburg (Miterbenburg) mit Wohnrecht für die nächsten Verwandten des Regenten.
Um die Wende zum 13. Jahrhundert wird es stiller auf dem bis dahin gewiss mit prallem Leben erfüllten Burgberg. Graf Arnold bezieht mit seiner Familie die Isenburg, Adolf, Graf Friedrichs Sohn, übersiedelt nach der 1198 erworbenen Wasserburg Mark an der Lippe und nennt sich von 1202 an als Erster Graf von der Mark. Altena hat seinen Residenzcharakter verloren, für die gelegentlichen Aufenthalte und als Jagdquartier der märkischen Grafen behält die fortan von Drosten verwaltete Burg jedoch weiterhin Bedeutung und rückt in der langen Auseinandersetzung des Märkers mit Dietrich von Isenberg, dem Sohn des „Bischofsmörders“, erneut ins Blickfeld. Jetzt könnte zur Verstärkung der Zwinger mit den zugehörigen Toren entstanden sein.

Wegen ihres gotischen Zuschnittes sollten die beiden nur durch eine Baunaht getrennten Trakte des Alten Palas dem Bruder Otto des Grafen Engelbert I. und – oder – den beider Brüdern des Grafen und späteren Herzogs Adolf IV. von Kleve-Mark, den Grafen Dietrich und Gerhard von der Mark, zuzuschreiben sein. Otto von der Mark, der als Probst in Lüttich in den weltlichen Stand zurückkehrte und seinen Erbanteil beanspruchte, bewohnte die Burg von 1249 bis 1262 als letzter Graf von Altena und starb kinderlos. Dietrich und Gerhard von der Mark, die als direkte Nachkommen der Grafen von Altena mit ihrer Stammburg belehnt waren und sie zwischen 1393 und 1398 bzw. von 1425 bis 1461 auch bewohnt haben, dürften sie ihren Bedürfnissen entsprechend verändert haben. Auf Baumaßnahmen nach dem Brand von 1455 ist höchstwahrscheinlich der Giebel am Südtrakt des Alten Palas (...) zurückzuführen. Die meistens mit einem Staffelgiebel verbundene Manier, die Giebelfläche in horizontale Streifen zu zerlegen, kam gerade in dieser Zeit, Mitte des 15. Jh. auf. (1)

In nachfolgenden Zeiten wurde Burg Altena Kurbrandenburgische Garnison, 1628 durch spanische und lothringische Truppen belagert und durch spätere Brände und Sturmschäden in Mitleidenschaft gezogen. Die Einrichtung des Kriminalgerichts der Grafschaft Mark nebst Gefängnis sowie eines Armen- und Krankenhauses ließen die Burgunterhaltung weiter leiden. Nach dem Verkauf der Burg durch den Fiskus an die Stadt Altena dienten Teile ihrer Bausubstanz als Steinbruch.
Dank des Engagements des Altenaer Landrats Dr. Fitz Thomée wurden 1906 die Wiederaufbaupläne konkret angegangen, um bis 1915 mit einem Gesamtkostenaufwand von rd. 560.000 Mark unter Leitung des Aachener Architekten und Hochschulprofessors Georg Frentzen mit beispielhaftem, regionalem bürgerschaftlichem Engagement umgesetzt zu werden.
Sich schon im Jahre 2001 ankündigende aber erst im Jahre 2006 in ihrer vollen Tragweite erkannte größere Mauerschäden waren der Startpunkt für eine umfassendere Sanierung der Burg, die auch noch im Jahre 2009 weiter voranschreiten wird

Quelle: Rolf Klostermann

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